Donnerstag, 20. Januar 2011
Välkommen till Sverige!
Erste Eindrücke

Vorwort:


So, nun beginne ich hier also endlich mit meinem angekündigten Blog. Es sei gleich erwähnt, dass ich mit sowas noch keine Erfahrung habe, daher entschuldige ich mich gleich mal für etwaige Unkorrektheiten (jaja Pius, Unkorrektheiten!) und mögliche Langeweile beim Lesen. Werde versuchen, euch einen guten Eindruck von hier zu vermitteln und freue mich über Feedback jeglicher Art, also ruhig sagen, was Mist ist und was vielleicht auch gut ist!Desweiteren fände ich es cool, wenn ihr das Zeug von Zeit zu Zeit mal kommentieren würdet, Fragen zu Beiträgen jeglicher Art sind ebenso erwünscht!

Dann fangen wir mal an. Denke ich versuche euch erstmal einen thematisch geordneten Überblick über meine bisherigen Erfahrungen und das Leben hier zu geben. Sorry, dass ich erst so wenige Bilder habe, werde in den nächsten Tagen versuchen mehr davon zu machen, bin bis jetzt aber noch nicht wirklichd azu gekommen gute zu machen, daher müsst ihr mal mit dem hier Vorlieb nehmen.

Anreise:

Nachdem wir am Freitag noch gebührend in Tübingen gefeiert haben sollte es also am nächsten Morgen losgehen. Worauf ich mich jetzt schon Monate vorbereitet habe sollte endlich beginnen. Passenderweise war ich nach ca. 5 Stunden Schlaf vollkommen verwirrt, als der Wecker mich um 8.00 rausklingelte. Was ist los?Warum ist mein Zimmer so leer?Ah, da war doch was ...
Die Fahrt nach Memmingen war dann eigentlich optimal, vielen Dank nochmal an Pius und Marie fürs Mitkommen, hoffe die Heimfahrt hat trotz der etwas desolaten Lage gut geklappt!
Das Wetter war ja echt wunderschön, so konnte ich noch ein bisschen Sonne tanken. Desweiteren waren die Alpen genial zu sehen, was ihr vielleicht hier erkennen könnt, wenn ihr etwas genauer hinschaut:


Der Flug war soweit angenehm, hatte nur net bedacht, dass Ryanair keine gratis Getränke serviert, weshalb ich mich von Zeit zu Zeit auf dem Klo mühen musste an den Wasserhahn zu kommen ...
Der Flug ging relativ schnell, Sigur Rós haben mal wieder den passenden Soundtrack geliefert und für Gänsehaut gesorgt.
Und nach zwei Stunden geschieht es endlich: wir durchbrechen die Wolkendecke und die wunderschöne Winterlandschaft Schwedens breitet sich vor meinen Augen aus. Unvergessbarer Anblick und wohl der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich jetzt definitiv hier bin. Gestrahlt :)


Erste Schritte:
Nach der Ankunft dann der Weg nach Uppsala. Erste deutsche Austauschstudentin aus Stockholm bis eben dahin getroffen und gelabert. Nett. Dann mit dem Bus weiter. In Uppsala angekommen erstmal zurechtfinden und mit dem Taxi meine Schlüssel abholen gegangen. Taxifahrer waren sehr nett und das Beste daran war: bis jetzt konnte ich mich mit allen Schweden gut unterhalten. Der Taxifahrer meinte, ich habe einen dänischen Dialekt (was Blödsinn ist). Konnte selbst auch bissl Deutsch.

Nachdem ich dann alles zusammenhatte also auf zur Wohnung. Tür geöffnet und mittendrin im Gewusel. Sehr freundlicher Empfang und das Beste: absolut gemischte WG. Schweden, Amis, Italiener, Kanadier. Hat sich gleich sehr heimelig angefühlt und über die Instandhaltung afgeklärt worden: jeder räumt seinen Scheiss selbst weg und fertig. Top!
Auf einem Korridor wohnen jeweils 12 Leute. Die Türen werden hier normalerweise offengelassen, sodass man stets reinspazieren kann, wenn man möchte. Sympathisch :)
Flogsta ist die größte Siedlung von Wohnheimen hier. Schaut bissl aus wie WHO, nur sehr viel sympathischer, und absolut wahnsinnig. Dazu gleich mehr.

Flogsta:
Einen prägenden Eindruck von hier konnte ich bereits am ersten Abend bekommen. Hier isses Tradition, dass um 22Uhr alle von den Balkonen schreien. Wie ein Muezzin in kränker!Die Balkone sind hauptsächlich dazu da, Dinge davon runterzuwerfen. Egal ob Fahrräder, Sofas oder einfach nur Kippen: "feel free to throw everything you want down there!". Gut zu wissen. Deshalb hat mein Zimmer seit der letzten Party auch keine Couch mehr im Zimmer, weil die da wohl jemand rausgeschmissen hat. Dementsprechend leer sieht's aus. jedes Zimmer hat ein eigenes Bad, was sehr praktisch ist. Hier mein Hauptzimmer, mehr Bilder in der Galerie.


Mit einem deutschen Wohnheim ist das hier indes wirklich gar nicht zu vergleichen. So zeigte auch die erste Party direkt nach der Ankunft. Aufzug fährt hoch, Musik immer lauter, Türe öffnet sich: ca. 100 Leute auf engstem Raum, DJ Set aufgebaut, Motto: Pirat (der Gastgeber hatte hier beim Holzhacken ein Auge verloren und seither eine Augenklappe). Nach einer Stunde rauchen alle. Genialster Elektro. Gleich mit allen möglichen Leuten und Nationalitäten geredet. Hat sich großartig angefühlt :)

Nationen, Partys, Alkohol:

Eine Eigenheit hier sind definitiv die Nationen. Ursprünglich errichtet, um unrühmliches Betragend er Studenten an deren Heimatkriche weiterleiten zu können, sind sie heutzutage der Dreh- und Angelpunkt aller studentischer Aktivitäten hier. Es gibt glaube ich 13 davon, die Größe variiert zwischen 5000 und 500 Mitgliedern. Aha, super Hannes, aber was machen die jetzt?
Nun, erstmal ist zu sagen, dass jeder Student mindestens einer beitreten muss. Das kostet dann einen Semesterbetrag (meine ca. 28€), dafür kommt man umsonst auf die Partys und vergünstigtes Essen. Jede Nation hat nämlich ihren eigenen Pub, dort kann man Essen, sich mittags zum Kaffeekränzchen treffen und es gibt regelmäßig Partys. Desweiteren organisieren die auch viel für die Uni, mein Nationsausweis ist z.B. gleichzeitig mein Studentenausweis.
Die Woche haben die sich also erstmal alle vorgestellt, habe mich heute für die Kalmar Nation entschieden. Die ist zwar eher ziemlich klein, der Pub dort ist aber wirklich super, die Partys klingen von der Richtung ziemlich ansprechend, die Atmosphäre war nett und v.a. ist dort alles ziemlich auf Musik ausgelegt. So gibt es z.B. desöfteren mal eine Open Mic Night, wo sich scheinbar schon mehrere Bands draus entwickelt haben, 2 Chöre und öfters mal Live-Bands. Könnte mir gefallen dort!
Die Nationen sind übrigens auch der einzige Platz, wo man sich den Alkohol halbwegs leisten kann. Denn entgegen meiner Erwartung kursiert hier leider kaum bis gar kein illegaler Alk. In den Nationen sind die Preise vergleichbar mit z.B. dem Bierkeller: zwischen 24 und 30 Kronen!Vielleicht werde ich mal eine Bootstour nach Estland oder Finland machen, da gibt's dann Alkohol zu normalen Preisen zu kaufen und die Dinger sind spottbillig. Mal schauen.
Party gibt's hier jedenfalls dementsprechend eigentlich jeden Tag en masse, da die Nationen alle andere Tage für ihre Partys haben. Außerdem sind die Pubs gerade jetzt immer voll!Doch was bringt einem das, ohne jemanden zum Hingehen?

Kontakte knüpfen:

Ich weiß nicht, ob es an meiner Rolle als Austauschstudent liegt oder ob sich Uppsala wirklich sehr von anderen Städten unterscheidet, jedenfalls ist es hier unheimlich leicht, Leute kennenzulernen. Und das beste ist: hier ist es absolut international. Man trifft wirklich ständig Leute aus aller Welt und hat sehr schnell die Möglichkeit etwas über andere Länder und Kulturen zu erfahren. Am besten komme ich momentan mit einer Gruppe aus, die ich am Montag im Kalmar Pub getroffen habe. Unglücklicherweise sind da jetzt 2 deutsche Jungs und ein Mädel dabei, was ich ja eigentlich net wollte. Macht aber in der Beziehung keinen Unterschied, da die anderen Leute aus Südafrika, USA und Griechenland sind. Gestern hatten wir 'ne Art "Kneipen/Nationen"-Tour und waren dann 'ne ziemlich große Gruppe, wirklich aus aller Welt jemand dabei!Das beste: große Übereinstimmungen, was Musik angeht. Gestern schon alle total erfreut drüber gewesen, wie viel da übereinstimmt :) Ebenso wirklich gute Gespräche über Nation, Sprache, Feminismus etc. gehabt --> passt!

Sprache:

Eine der interessantesten Änderungen, die man hier bei sich bemerkt ist natürlich die Sprache. Es kann manchmal wirklich sehr verwirrend sein, ständig zwischen drei Sprachen zu wechseln und man schiebt das ein oder andere Wort aus einer anderen Sprache wo ein, wo es definitiv nicht hinsollte ^^ Deutsch spreche ich zum Glück wirklich sehr selten, dementsprechend hat sich mein Englisch bereits nach ein paar Tagen rapide verbessert und es macht total viel Spaß sich immer so zu unterhalten, obwohl kaum jemand Muttersprachler ist. Überraschend ist, wie gut es hier wirklich alle können!
Schwedisch ist nochmal 'ne andere Sache. Mit manchen klappt es super, viele fangen aber auch gleich an Englisch zu sprechen, wenn sie merken, dass man kein Muttersprachler ist. Das ärgert einen dann bissl, aber mache ich in D gleich!Ebenso oft reden sie dann einfachd rauflos, wenn man auf Schwedisch beginnt und man versteht kein Wort. hab' mir jetzt aber angewöhnt dann einfach zu fragen, ob man bissl langsamer sprechen könnte und dann geht das meist auch gut. Hängt auch echt immer vom jeweiligen Dialekt und Sprechstil ab, gestern habe ich mich z.B. 30Min mit einer Schwedin vollkommen problemlos unterhalten, danach haben wir auf Deutrsch geswitcht, was sie auch sehr gut konnte. Ich denke anch ein paar Monaten wird das echt gut gehen, hoffe ich zumindest :) Ist auf jeden Fall eine supergeile Erfahrung und ich bin auch überhaupt net nervös die Sprache zu benutzen oder so!

Uni:

"Du blöder Arsch, du bist eigentlich zum Studieren da hoch und schreibst jetzt nur von Party und Leuten ..." mögen sich jetzt viele denken, vor allem diejenigen, die gerade fleißig auf die Prüfungen lernen müssen.
Mit Uni ist hier in der Tat recht wenig, habe nur zwei mal pro Woche Kurs derzeit und sonst nichts. Allerdings gibt die einem Unmengen an Literatur auf, so in der Größenordnung von ca. 2 kompletten Fachbüchern in 4 Tagen. Glaube es ist aber ziemlich unnötig, das alles zu lesen. Vielleicht habe ich aber auch den Vorteil, dass mir vor allem meine "Comparative Politics" Vorlesung samt Klausurvorbereitung aus dem letzten SS zugute kommt, unbekannt ist mir in dem "Swedish Politics Kurs bisher nur sehr wenig. Nächsten Freitag werden wir den Reichstag in Stockholm besuchen, worauf ich mich schon riesig freue :)
Insgesamt bleibt aber zu sagen, dass ich befürchte das Studieren hier bissl zu vernachlässigen, weil das hier Standard ist und man v.a. wohl recht leicht durch die Kurse durchkommt (statt Noten nur bestanden, sehr gut bestanden, durchgefallen). Wir werden sehen!Momentan will ich aber lieber Spannenderes hier erzählen ;)

Stadt und Wetter:

Zuguterletzt noch was über die Stadt. Mit einem Wort: Wunderschön!Ist eine ziemlich gelungene Mischung aus traditionsreicher Altstadt / Architektur und moderner Stadt mit Einkaufspassage und so. Erinnert vielleicht etwas an Heidelberg oder Tübingen, hat aber dennoch etwas ganz Eigenes!Vor allem kulturell ist hier eben durch die ganzen Studenten und Nationen unheimlich viel geboten.







Fortbewegen tut man sich entweder mit dem Bus oder Fahrrad. Hab gestern das vom vormaligen Besitzer meines Zimmers für 400SEK abgekauft (er wohnt grad übrigens in der Sauna und geht morgen erst heim, samt einer Freundin von ihm, die auch hier wohnte). Allerdings bin ich momentan total im Sack, Radfahren einfach nimmer gewohnt. Zudem ist es bissl tricky, da alles vereist ist. Wenn man aber vorausschauend fährt und nicht bremst aber alles kein Problem!Busvebrindungen sind indes auch gut, aber eben wesentlich teurer auf Dauer (Monatskarte: 350SEK). So wie hier allgemein alles sehr teuer ist (v.a. Tabak: 50g Drum = 145SEK). Eine zu erwähnende Besonderheit wäre vielleicht noch, dass man hier wirklich total elektronisiert ist!Mit Karte kann man echt überall zahlen, selbst in den Nations Pubs. Der Vorteil: auch mit ausländischer Karte kostet das Ganze keine Transaktionsgebühr. Ebenso kann man Bustickets per SMS kaufen: einfach SMS mit "UU" schicken, erhaltene SMS dem Busfahrer zeigen, Betrag wird vom Guthaben abgebucht.

So, hoffe meine kleine Einführung hat euch gefallen und mancher hat bis hierhin durchgehalten. Falls ihr Fragen habt einfach Facebook, Email, Telefon benutzen, werde gerne versuchen sie zu beantworten :) Neue Handy Nr.: +46704071056

Liebste Grüße an alle :)

P.S.: Werde mir bald ein Headset kaufen, sodass wir skypen können!
P.P.S.: Meine Heizung funktioniert nicht ... dafür kann ich im Zimmer rauchen. Ab morgen hab' ich dann auch eine Decke ;)
P.P.S.: Wetter ist verhältnismäßig warm, ca. 0 bis -5°. Tageslicht auch kaum merkbar, bis 16-17 Uhr hat man das. Alles kein Ding :)