Polypsalat IV - Eingriff der Long One
Prolog:

Die Füchse unter euch werden merken, dass ich statt Vorwort diesmal ein Fremdwort benutze. War jetzt nämlich schon öfters in Stockholm und dachte ich muss mich nun etwas elitärer geben, um nicht aufzufallen. Der letzte Eintrag scheint mir zwar noch nicht so lange weg, ist aber faktisch bereits einen Monat alt. Dementsprechend dachte ich euch mal wieder etwas Polypsalat futtern zu müssen!Und da ich ziemlich viel zu tun hatte gibt's diesmal hoffentlich eine ordentliche Mastfütterung für euch, die werdet ihr fürs nächste Mal brauchen, wenn ich dann aus dem kalten Lappland berichte (18. - 20. März).
Die gute Nachricht: ich lebe noch. Die schlechte Nachricht: ich lebe noch. Da zu viel passiert ist in einem Monat beschränke ich mich diesmal auf 3 Punkte, von denen ich denke, dass sie interessant sein könnten. Los geht's!

Zuerst einmal ein Bild von meinem jetzigen Zimmer, dass dank meines supergeilen Luftbetts endlich wirklich gemütlich geworden ist und mir auch ordentlichen Schlaf ermöglicht. Wie ihr seht bin ich nun definitiv zu 100% angekommen :) Wie ihr ebenfalls vielleicht sehen kann kommt der Frühling langsam an.



Reccegasque: 12.2.

Was fürn Ding?DIE Studententradition Uppsalas und ein unvergesslicher Abend!
Eine Gasque läuft folgendermaßen ab: alle Studenten werfen sich erstmal in schicke Kleidung. Dann geht man zu seiner Nation (langsam dürftet ihr wissen, was das ist ;)) und läuft hinter den Flaggenträgern zum Hauptunigebäude. Vor ebendiesem treffen dann aus allen Richtungen Studenten aus anderen Nationen ein und man wartet erstmal gemütlich in der Kälte.
Nachdem man sich dann ordentlich einen abgefroren hat geht's endlich grüppchenweise auf ins Unigebäude - genauer gesagt in den ultraelitären Festsaal, wo das Orchester natürlich schon auf einen wartet.
Unterbrochen von mäßig interessanten Ansprachen lauscht man dann diesem und beginnt langsam zu merken, dass man gerade an etwas ganz Besonderem teilhat. Besonders, wenn dann sogar noch die Titelmelodie von The Legend of Zelda aufgeführt wird :D









Langsam ausgenüchtert und in der perfekten Wohlfühlstimmung geht es dann wieder zurück zu seiner Nation, wo die eigentliche Gasque stattfindet.



Das wohl charakteristischste Merkmal dieser Zeremonie ist, dass man sich einfach für alles unglaublich viel Zeit nimmt und die Zeit intensiv genießt. Darum gibt es auch erstmal einen dekadenten Sektempfang zur Einstimmung.







... und nach 2 Stunden ist es dann endlich soweit: gut vorbereitet begibt man sich endlich in den Speisesaal und stimmt sich auf das (HOFFENTLICH ENDLICH BALD KOMMENDE, WIR HABEN EINEN BRAND!!!) Festmahl ein.





Bis der erste Gang kommt dauert es aber nochmal eine gute halbe Stunde (mindestens). Dafür wird man in die seltsamen Eigenheiten einer Gasque eingeführt: jeder bekommt erstmal sein persönliches Gesangsbuch, das man zu allen zukünftigen Gasques mitbringt und sich an den tollen Einträgen aller Leute vom letzten Mal erfreut. Ca. alle 2 Minuten wird dann ein Lied angestimmt, wobei man als Neuling ziemlich verwirrt ist über die zu vollführenden Dinge wie auf den Tisch klopfen, auf den Stuhl stehen oder 1000 andere songabhängige Rituale. Gefolgt wird das ganze jedesmal von einem kleinen Trunk, der natürlich auch auf eigene zeremonielle Weise durchgeführt werden muss. Die Laune ist jetzt zwar auf dem Siedepunkt, aber der Hunger beginnt langsam einen zu töten ... Aber die Katharsis macht das Ganze so großartig, denn nun beginnt der ellenlange Festschmaus endlich, zwar ständig unterbrochen durch erwähnte Zeremonien oder Ansprachen, aber das ist der Reiz an der Sache und ermöglicht den intensiven Genuss erst.













Aufgeladen mit genialstem Essen und absolut perfekter Stimmung geht der Rest dann ganz schnell .... BEREIT FÜR DIE PARTY???



"JAAAAAAAAAAAAAA!"













Bereit für eine Aftersession???



Bereit aufs Dach zu gehen?



Bereit in die Sauna zu gehen und A Capella Versionen der größten Verbrechen der 90er zu singen???



Genialer Abend und Glücksexplosion die nächsten Tage!

Besuuuuuuuch!

Vorbereitet mit meinem supersexy Luftbett war ich nun endlich bereit meine ersten Gäste zu empfangen und ihnen sowohl etwas Kultur als auch einen Eindruck meines Lebens hier nahezubringen.

Zunächst wäre da natürlich meine liebe Schwester, die leider das Pech hatte aus eurer berüchtigten Vorfrühlingssonne direkt in die zwei kältesten Wochen hier hereinzuplatzen :D Dementsprechend kalt war es ihr dann auch, was man kaum übersehen kann ... (der Pfeil weist daraufhin, worauf ihr Roboter achten solltet).



Nachdem ich ihr erstmal die Parties hier nähergebracht habe sind wir dann zusammen mit dem lieben Simon nach Stockholm. Da es wie gesagt schweinekalt war konnte man es leider (wieder mal ...) nicht in vollen Zügen genießen, weshalb wir uns alle halbe Stunde einen warmen Platz suchen mussten. Das Modern-Art Museum war da nicht der schlechteste Platz, auch wenn manche Werke schon etwas klischeemäßig "moderne Kunst" anmuteten ;) Darum haben wir uns hauptsächlich darauf beschränkt, Stühle und Ketchup zu stehlen.





Trotz der Kälte haben wir es dennoch geschafft uns ein bisschen was von der wunderschönen Stadt anzuschauen. Dies war ab einem gewissen Punkt zwar hauptsächlich der Suche nach billigem Essen geschuldet, trotzdem konnte man einen guten Eindruck dieser beeindruckend reich aussehenden Stadt erhalten. Hier gibt es einfach kein Gebäude, das nicht unglaublich teuer und traditionsreich aussieht!















Wie gesagt bekamen wir beim Anblick der köstlichen Stadt aber unendlich Hunger ...



Und wurden halb totgefroeren schließlich fündig ...



Hätten aber doch lieber das hier gegessen, hätte definitiv besser geschmeckt als dieser unterirdische Döner!





Im Iran wäre das net passiert, trotzdem gibt es gute Gründe gegen das Regime zu demonstrieren!Daumen hoch!






Nach Besichtigung der Kirche und Uni in Uppsala ...





Hielt ich es für angebracht diese vermeintlich vertrauenswürdige nette Dame nach dem Weg zurück nach Deutschland zu fragen.



Zwecks mangelnder Kooperationswilligkeit suchte sich Marie bei sinnvolleren Ansprechpartern Rat und verließ das kalte Schweden schließlich wieder. War toll mit dir und freue mich auf das nächste Mal :)



Vom 1. bis 5. März waren dann Rini und ein Freund von ihr namens Niels hier. Und diesmal meinte es jemand gut mit uns, hatten wir doch supertolles Wetter abbekommen, um nebst Saunabesuchen und Parties zumindest Zeit für einen sehr langen und erschöpfenden, aber extrem erfüllenden Tag in Stockholm zu haben und mal wirklich viel abzulaufen, was bisher leider ja nicht wirklich möglich war. Die Bilder sprechen glaube ich für sich, ein Auszug:























Da wir mit dem Auto leider so unsere Probleme hatten ...



... stiegen wir dann doch aufs Fahrrad um!



Und gleiteten zum Vasamuseum, um erst einmal ordentlich zu urinieren.



Dort begutachteten wir dann das aus dem 17. Jahrhundert stammende Schiff, das einst den Wohlstand der Großmacht Schweden symbolisieren sollte. Leider hatten sie es versäumt das Schiff so zu bauen, dass es auch stärkeren Windstößen standhält und es stattdessen vorgezogen, es mit zahlreichen erheblich zu schweren Kanonen zu beladen. Resultat: bei der Jungfernfahrt abgesoffen. Da das Ganze so peinlich war sägte man die aus 33m Tiefe hochragenden Masten teilweise ab, auf dass sich niemals jemand an diese Dämlichkeit erinnern wird. Zum Glück wurde es in den 50ern geborgen und nun samt seienr Geschichte im zugehörigen Museum ausgestellt. Lohnt sich!







Nach dieser Megatour beschlossen wir uns einfach ein Chilli zu kochen, das uns für den restlichen Besuch hält und Party zu machen!



Erste Partystation war Stockholm, wo wir zuerst in eine klassische Touristenfalle tappten. Zum Glück gab es in der Eisbar einen gratis Refill für uns Schelme, die sich in weiser Voraussicht Alkohol mitgebracht hatten!











Zum Glück kannte ich zwei Leute, die gerade in einem Hostel dort waren, also kamen wir dort unter und hatten erstmal eine schöne Gelegenheit zur Pre-Party, sowie zur Bildung einer interessanten Gruppe. Leider irrten wir danach ewig durch Stockholm auf der Suche nach einem Club unter 23, der keine 200Kronen kostet und mussten mit einer Bar Vorlieb nehmen. Nichtsdestotrotz war's eins ehr gelungener Abend, vor allem, da wir danach nochmal ins Hostel konnten und so den 5:40er Zug heim nehmen konnten!









Achja, falls sich jemand gewundetr hat, warum Sigmar Gabriel nicht im Bundestag war, als sich der Verteidigungsminister stellen musste: er bevorzugte es in Stockholm zu saufen!Brüderle war auch dabei, Gerüchte besagen die Koalition wird bald von der FDP aufgekündigt um eine Rotweingelbe Koalition in die Wege zu leiten!





Ich hoffe euch beiden hat's gefallen und freue mich schon auf die nächste Party in Stuttgart :)




Goa Goa Goa?Karaoke Karaoke Karaoke!

Und dann war es natürlich mal wieder Zeit für eine ordentliche Party auf unserem Korridor diesen Samstag. Und Freunde, das war die beste und absurdeste Party ever!Seither befinde ich mich in einem anhaltenden Glücksrausch, der einfach nicht abebben möchte :)

Begonnen hat das ganze mit einer unheimlich lahmen Pre-Party in meinem Zimmer. Ich kenne zwar nun das kränkste YouTube Video, das wohl jemals gemacht wurde (auf Anfrage gibt's den Link), da bei uns aber auch noch nix los war beschlossen wir die College Party erstmal zu verlassen und auf eine 90er Party in einem anderen Korridor zu gehen.

Dort war leider auch mal gar niemand und es schien so als würde das nix mehr mit einem guten Abend. Doch was gibt es Besseres um einen Party zu retten, als sich einfach nur den Frust wegzutanzen?Also haben wir die Party kurzerhand übernommen, die Gastgeber in die Küche verscheucht und den Soultrain mit ordentlich 90er Trash Kohlen befeuert!










Die Partystimmung war also da, auf zurück in unseren Korridor!Irgendwie war's dort trotz Menschenmasse aber wieder ziemlich mittelmäßig. Als ich mir ein neues Getränk in meinem Zimmer holen wollte stellte ich dann fest, dass sich bereits jeder dort versammelt hatte. Also kurzerhand zurück auf den Gang, alle fehlenden Leute (egal ob sie schon in Jacke am gehen waren oder nicht) gepackt und in mein Zimmer geschleift.
Und dann meine Freunde, haben wir mit circa 20 Leuten erstmal 2 Stunden eine vollkommen irrsinnige Goa/Drum'n Bass/Latino Party in meinem Zimmer gefeiert. Diverse Transen waren auch anwesend, was Simons Freund glaube ich net so gefallen hat :D













Und dann kam der Moment, wo klar war: nun beginnt die Karaoke Party. Nachdem ich mir bereits wochenlang 200 Ultrastar Songs zusammengeklaubt hatte konnte das bei dieser Stimmung nur ein Erfolg werden. Spätestens mit Wake Up als drittem Song und der passenden Animation wurde es eine legendäre Session, bei der beinahe jeder Song frenetisch zelebriert wurde. Dass sich der Raum irgendwann leerte hinderte uns nicht daran, bis um 9 weiter zu machen, was am Ende natürlich nur noch wildes Geschrei statt Gesang war. Unvergesslich wohl auch die Szene für Micke, als er um 8 ins Zimmer kam und wir uns gerade mit Messer und Gabeln bekämpften und dazu die Hives auseinandernahmen!

Konnte der Abend so enden?Wie sich das gehört musste natürlich noch ein kleiner Spaziergang in den Wald folgen, diverse Höllenbäume, Runensteine und Freiland-Friedhöfe waren zwar etwas zu viel um diese Zeit, sorgte aber auch für eine einzigartig surreale Stimmung.











Nach so einem Spaziergang und Karaoke-Marathon fühlt man sich natürlich bereit für ein feines Frühstück. Also auf zum Supermarkt und zurück in unsere wunderschön appetitliche Küche.





Nach der ordnungsgemäßen Entsorgung eines Tisches war es Zeit den lieben Oskar zu besuchen, der zum Glück schon wach war.



Da wir noch rechzeitig zum Gottesdienst kommen wollten war es um 12 dann Zeit heimzugehen und zu schlafen!

Das mag jetzt alles etwas absurd anmuten, letztlich vermischen sich all diese hier geschilderten Erlebnisse aber zu einem großen Ganzen, das die wohl beste Zeit meines Lebens und eine seither anhaltende Hochglücksphase zur Folge hat. Wenn man sich nach einem Spaziergang in der Sonne durch die Stadt im Bad seines Instituts zu LCD Soundsystem clean tanzt, bevor man sich sein Klausurergebnis "sehr gut" abholt kann das nicht verkehrt sein!

So, jetzt habe ich keine Lust mehr. Drei Stunden Arbeit sind genug. ;) Am WE steht unser Cruise nach Talinn an und das Wochenende drauf geht's endlich nach Lappland :) Wird also noch einiges zu berichten geben.

P.S.: Es fühlt sich schon total nach Frühling an, um die 0 Grad und Sonne sind anch den kalten letzten Wochen einfach Balsam für die Seele.



Abschließend ein paar Annäherungsversuche, wie ich mich gerade fühle:







laszlo panaflex am 10.Mär 11  |  Permalink
mh, blutkuchen mit melisse